
Ein Manuskript ist nicht dann lektoratsreif, wenn es fertig oder fehlerfrei ist.
Sondern wenn die grundlegenden Entscheidungen im Text stehen.
Ein paar ehrliche Fragen können helfen:
- Weißt du, welches Thema unter der Handlung liegt – also das, was deinen Roman im Kern zusammenhält, jenseits von Plot und Genre?
- Handeln deine Figuren aus eigenen Motiven heraus – oder funktionieren sie hauptsächlich als Auslöser für den Plot?
- Ist die grobe Struktur für dich stimmig, auch wenn Details noch offen sind?
- Kannst du Rückmeldungen lesen, ohne sofort alles erklären oder verteidigen zu müssen?
Wenn du diese Fragen überwiegend mit Ja beantworten kannst, ist ein Lektorat sinnvoll. Dann geht es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Um Weiterentwicklung und Wirkung.
Gerade bei ambitionierten Romanen ist das oft der Punkt, an dem ein externer Blick dem Text wirklich weiterhilft.
Wann ein Coaching sinnvoller ist als ein Lektorat
Es gibt aber auch Manuskripte, bei denen ein klassisches Lektorat noch nicht der richtige Schritt ist. Nicht, weil sie schlecht sind. Sondern weil es beim grundlegenden Schreibhandwerk noch offene Fragen gibt.
Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn:
- grundlegende Entscheidungen wie Perspektive, Erzählhaltung oder Aufbau noch nicht geklärt sind
- Überarbeitungen eher aus Unsicherheit als aus Klarheit entstehen
- Rückmeldungen mehr Verwirrung als Orientierung auslösen
- der Text stellenweise auseinanderdriftet
In solchen Fällen ist ein Coaching oft der sinnvollere erste Schritt. Nicht als Ersatz für ein Lektorat, sondern als Vorbereitung darauf.
Ein Lektorat kann seine Wirkung dann am besten entfalten, wenn der Text eine erkennbare Richtung hat – und die Autorin bereit ist, dies im Lektorat zu überprüfen.
Warum es keine feste Grenze gibt
Viele wünschen sich eine klare Regel. Ab Seite X. Nach Überarbeitung Y.
So funktioniert Textarbeit nicht.
Textreife lässt sich nicht messen. Sie zeigt sich im Umgang mit dem eigenen Manuskript. In der Offenheit für Rückfragen. Und darin, ob man erkennt, wo der Text Unterstützung braucht.
Manchmal ist der Text bereit für den nächsten Schritt, während die Autorin ihn noch nicht loslassen kann.
Fazit
Die entscheidende Frage ist nicht, ob dein Manuskript fertig ist.
Wichtiger ist, ob dein Manuskript reif für ein Lektorat ist. Ob du ihm noch gerecht werden kannst, ohne dich im eigenen Text festzulesen.
Betriebsblindheit ist eine normale Folge intensiver Textarbeit. Sie zeigt, wie viel Zeit, Aufmerksamkeit und Nähe bereits im Text stecken.
Ein Lektorat ist dann kein Abschluss, sondern der nächste Schritt.
Und manchmal beginnt dieser Schritt nicht mit weiteren Änderungen, sondern mit der ehrlichen Entscheidung, welche Art von Unterstützung dein Text jetzt wirklich braucht.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du hier einen ergänzenden Beitrag:
Wann ist mein Manuskript bereit für ein Lektorat?
Dort geht es um die grundlegenden Voraussetzungen und typische erste Schritte vor der Zusammenarbeit.
Schreibe einen Kommentar